Flaschenpost in Sütterlin von Andrea Behnke

Flaschenpost in Sütterlin von Andrea Behnke

Tja, das Thema Ostpreußen: Mit den „Klappentext“ hatte Andrea Behnke natürlich sofort meine Aufmerksamkeit. Es geht um eine Flaschenpost, die ein Mädchen aus Ostpreußen 1947 dem Meer anvertraute.

Was erzählt Andrea Behnke?

Irgendwie hat es Evi aus Bayern an die Ostsee verschlagen; der Vater hat eine neue Stelle. Sie sehnt sich zurück nach den Bergen und ihrer Freundin Franzi. Das ändert nichts daran, dass sie nun das Leben am Meer geregelt bekommen muss. Ihre Mutter liegt sehr daran, dass sie rasch neue Freundschaften schließt. Lina macht einen sehr netten Eindruck – die beiden Mädchen stecken oft zusammen.

Königsberger Dom
So sah Königsberg vor dem Zweiten Weltkrieg aus – es ist der Blick auf den Dom auf einer alten Postkarte
Eines Tages entdeckt Evi eine Flaschenpost. Die beiden Mädchen zertrümmern die Flasche und ziehen den unversehrten Zettel heraus. Doch leider können sie ihn nicht lesen. Evi erkennt, dass es sich um die alte Schrift Sütterlin handelt; das hilft jetzt aber nicht weiter. Evis Eltern können den Brief auch nicht entziffern. Doch die Mutter hat eine Idee: Nebenan wohnt Jonathan mit seinem Großvater – vielleicht kann er ja helfen. Der alte Mann kann helfen. Er ist nämlich nicht Jonathans Groß-, sondern Urgroßvater und hat selber früher in Sütterlin geschrieben. Der Brief berührt Kinder sehr – Irmgard schildert darin, wie sie auf der Flucht aus Ostpreußen ihre Freundin Elli verloren hat.

Die Kinder, Evi, Lina und Jonathan, machen sich auf die Suche nach Irmgard. Die inzwischen sehr alte Dame lebt in Lübeck, die Kinder können sie besuchen. Sie erzählt noch einmal ausführlich, wie das damals war mit der Flucht aus Königsberg in Ostpreußen. Auch Jonathans Urgroßvater erzählt von einem Freund, der als Kind nie über die Ostsee geflohen war. Mit verschiedenen Methoden versuchen sie, Elli zu finden – und das klappt soagr!

Was vermittelt Andrea Behnke?

Die Geschichte hat ja mehrere Ebenen:

  • der Verlust von Heimat und Freundin verbindet Evi und die alte Irmgard
  • Freundschaft aufrecht erhalten zu wollen, gegen Widerstände, ebenfalls (nach dem Fund der Flaschenpost schreibt Evi an ihre Freundin Franzi auch echte Briefe, nicht nur Nachrichten per Messenger.)
  • Überhaupt: Freundschaft. Neue Freundinnen und Freunde finden, eher unsympathischen Zeitgenossinnen eine Chance geben – es gibt da noch Svea-Malinda …
  • die Geschichte von Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg

Das alles verbindet Andrea Behnke zu einer durchaus spannenden, berührenden Geschichte. Ich als erwachsene Leserin hätte gerne noch gewusst, wie genau denn nun Elli gefunden werden konnte und was sie erlebt hat, doch drei Fluchtgeschichten in einem Kinderbuch, das wäre wohl zu viel gewesen.

Das Buch eignet sich durchaus als Klassenlektüre. Der Verlag Hase und Igel hat entsprechendes Begleitmaterial entwickelt.

Andrea Behnke: Flaschenpost in Sütterlin, Hase und Igel Verlag, München, 2019, ISBN:9783867602587

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